ETF auswählen: die Kriterien

ca. 9 Min. LesezeitZuletzt geprüft: Juli 2026

Teil des Lernpfads: ETF-Sparplan startklar

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Ein ETF ist nicht automatisch ein solider ETF, nur weil er einen bekannten Index nachbildet. Dieser Artikel gibt dir ein vollständiges, produktneutrales Prüfraster an die Hand, mit dem du jeden ETF selbst systematisch beurteilen kannst – vom zugrunde liegenden Index über Kosten und Fondsgröße bis zur Frage, wo du all diese Angaben überhaupt findest. Bewusst ohne Nennung oder Bewertung einzelner Produkte.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das wichtigste Kriterium ist der zugrunde liegende Index – er bestimmt Region, Branche und Streuung.
  • TER und Tracking-Differenz sind zwei unterschiedliche Kostenblicke: Die Tracking-Differenz ist aussagekräftiger, aber erst im Rückblick bekannt.
  • Kleine, junge Fonds tragen ein höheres Schließungsrisiko als etablierte, größere Fonds.
  • Replikationsmethode und Ertragsverwendung solltest du kennen, bevor du kaufst – beide sind an anderer Stelle dieser Website ausführlich erklärt.
  • Fondsdomizil und Fondswährung werden häufig missverstanden – beide erklärt dieser Artikel.
  • Die meisten dieser Angaben findest du im Factsheet und im Basisinformationsblatt (KID) eines ETFs.
  • Die Checkliste am Ende fasst alle Kriterien zusammen – ohne Score und ohne Empfehlung.

Der wichtigste Punkt zuerst: der zugrunde liegende Index

Jeder ETF bildet einen bestimmten Index nach – und dieser Index entscheidet über fast alles Weitere: welche Region, welches Land oder welche Branche abgedeckt wird, wie viele Unternehmen enthalten sind und wie konzentriert oder gestreut der ETF am Ende ist (mehr dazu im Grundlagenartikel Was ist ein Index?). Bevor du auf Kosten oder Fondsgröße schaust, lohnt sich deshalb zuerst die Frage: Bildet dieser Index überhaupt den Markt oder Marktausschnitt ab, den du abdecken möchtest? Wie breit oder eng verschiedene Indizes gefasst sein können, ordnet der Artikel Arten von ETFs ein; wie sich die Indexbreite auf die Streuung deines Depots auswirkt, erklärt Diversifikation: nicht alles auf eine Karte.

TER und Tracking-Differenz: zwei unterschiedliche Kostenblicke

Die TER (Total Expense Ratio, zu Deutsch Gesamtkostenquote) gibt an, welche laufenden Kosten dem Fondsvermögen jährlich belastet werden – bei breiten Indexfonds fällt sie meist niedrig aus (mehr zu allen Kostenarten im Artikel Kosten beim Handel: Ordergebühr, Spread, TER). Die TER allein erzählt aber nicht die ganze Geschichte: Sie ist eine im Voraus angekündigte Zahl – wie gut ein ETF seinen Index tatsächlich nachbildet, zeigt sich erst im Rückblick an der Tracking-Differenz.

Die Tracking-Differenz misst die tatsächliche Abweichung der ETF-Wertentwicklung von der Wertentwicklung seines Index über einen bestimmten Zeitraum. Sie kann höher oder niedriger ausfallen, als die TER allein vermuten lässt – etwa durch Erträge aus Wertpapierleihe, durch Optimierungstechniken bei der Nachbildung oder durch zusätzliche Handelskosten des Fonds.

Beispiel (hypothetisch)

Zwei angenommene ETFs bilden denselben Index nach und weisen beide eine TER von 0,20 % pro Jahr aus. Im Rückblick zeigt sich: ETF A blieb in einem Jahr um 0,15 Prozentpunkte hinter seinem Index zurück, ETF B dagegen um 0,35 Prozentpunkte – obwohl beide dieselbe TER hatten. Die Tracking-Differenz liefert hier zusätzliche Informationen, die die TER allein nicht zeigt.

Hypothetisches Rechenbeispiel zur Veranschaulichung. Die verwendeten Werte sind frei angenommen, keine Prognose und keine Anlageempfehlung; sie bilden keine tatsächlichen Konditionen ab. Tatsächliche Ergebnisse können erheblich abweichen; Verluste sind möglich. Kosten, Steuern und Inflation sind nicht oder nur vereinfacht berücksichtigt.

Für dich bedeutet das: Wo verfügbar, lohnt sich neben der TER auch ein Blick auf die bisherige Tracking-Differenz eines ETFs – sie lässt sich allerdings nur bei bereits länger bestehenden Fonds sinnvoll beurteilen.

Fondsvolumen und Alter: das Schließungsrisiko

Ein weiteres Kriterium betrifft die Größe und das Alter eines Fonds. Als Faustregel gilt: Je kleiner und jünger ein ETF ist, desto eher lohnt er sich aus wirtschaftlicher Sicht für die auflegende Fondsgesellschaft womöglich nicht dauerhaft – mit der Folge, dass sie ihn schließt oder mit einem anderen Fonds verschmilzt. Für dich bedeutet eine Schließung: Deine Anteile werden zu einem bestimmten Stichtag automatisch verkauft, unabhängig davon, ob dir der Zeitpunkt gerade passt – das kann auch steuerlich relevant sein und bedeutet in jedem Fall zusätzlichen Aufwand, weil du dein Geld anschließend neu anlegen musst. Ein bereits etablierter, einige Jahre bestehender Fonds mit größerem Volumen trägt dieses Risiko in aller Regel deutlich seltener.

Replikationsmethode: physisch oder synthetisch

Ob ein ETF seinen Index physisch (durch tatsächlichen Kauf der enthaltenen Wertpapiere) oder synthetisch (über ein Tauschgeschäft mit einem Vertragspartner) nachbildet, erklärt ausführlich der Artikel Arten von ETFs. Für die Auswahl reicht die Kurzfassung: Synthetische ETFs bringen über das Tauschgeschäft ein zusätzliches, gesetzlich begrenztes Kontrahentenrisiko mit. Bei physisch replizierenden ETFs kann ein ähnliches Risiko entstehen, wenn der Fonds enthaltene Wertpapiere zeitweise verleiht (Wertpapierleihe – sie ist weiter oben schon als eine Ursache für Abweichungen von der TER genannt). Welche Replikationsart ein konkreter ETF nutzt und ob er Wertpapiere verleiht, steht in seinen Produktunterlagen (siehe Abschnitt weiter unten).

Ertragsverwendung: ausschüttend oder thesaurierend

Ob ein ETF Erträge ausschüttet oder automatisch wieder anlegt, ist ebenfalls ein Auswahlkriterium – allerdings eher eine Frage deiner persönlichen Präferenz als eine Qualitätsfrage. Beide Mechaniken, den Zinseszinseffekt bei thesaurierenden ETFs und eine Kriterienliste für deine eigene Entscheidung erklärt ausführlich der Artikel Thesaurierend oder ausschüttend?.

Fondsdomizil: Irland, Luxemburg & Co.

Ein ETF hat ein rechtliches Sitzland, das sogenannte Fondsdomizil – bei in Europa vertriebenen ETFs häufig Irland oder Luxemburg. Das Fondsdomizil ist nicht mit der Fondswährung zu verwechseln (dazu mehr im nächsten Abschnitt) und auch nicht mit dem Sitzland der enthaltenen Unternehmen: Ein in Irland aufgelegter ETF kann problemlos ausschließlich US-amerikanische oder deutsche Aktien enthalten. Das Fondsdomizil kann rechtliche und steuerliche Folgen haben, etwa bei der Anrechnung ausländischer Quellensteuer auf Dividenden innerhalb des Fonds. Diese Details ordnen die künftigen Steuerartikel dieser Website mit Stand und amtlicher Quelle ein – an dieser Stelle geht es nur um den Begriff selbst, nicht um seine steuerlichen Details.

Keine Steuerberatung

Dieser Beitrag erklärt die allgemeine steuerliche Funktionsweise und ist keine Steuerberatung. Die genannten Angaben sind zeitgebunden (siehe „Stand“-Vermerk); maßgeblich sind stets das Gesetz und die offiziellen Verlautbarungen (u. a. BMF, BZSt). Für deinen Einzelfall wende dich an eine Steuerberaterin oder einen Steuerberater.

Fondswährung ist nicht dasselbe wie Währungsrisiko

Ein verbreitetes Missverständnis betrifft die Fondswährung: die Währung, in der ein Fonds seinen Anteilswert offiziell berechnet. Ein weltweit anlegender ETF kann zum Beispiel US-Dollar als Fondswährung führen, an einer deutschen Börse aber ganz normal in Euro gehandelt werden. Weder die Fondswährung noch die Handelswährung an deiner Börse sagen für sich genommen etwas über dein tatsächliches Währungsrisiko aus. Entscheidend ist stattdessen, in welchen Währungen die im Fonds enthaltenen Wertpapiere selbst notieren: Bei einem weltweit investierenden ETF sind das je nach enthaltenen Unternehmen viele unterschiedliche Währungen gleichzeitig – unabhängig davon, in welcher Fondswährung der Anteilspreis berechnet oder in welcher Währung der ETF an deiner Börse gehandelt wird. Mehr zum Währungsrisiko selbst erklärt der Artikel Risiken von Aktien und ETFs.

Wo du diese Angaben findest: Factsheet und Basisinformationsblatt (KID)

Die meisten der genannten Angaben musst du nicht selbst ermitteln – Fondsgesellschaften veröffentlichen sie in zwei Standarddokumenten:

  • Factsheet: ein meist ein- bis zweiseitiges, nach Marktüblichkeit erstelltes Datenblatt der Fondsgesellschaft mit den wichtigsten Kennzahlen auf einen Blick – darunter TER, Fondsvolumen, Auflagedatum, Replikationsmethode, Ertragsverwendung, Fondsdomizil und Fondswährung.
  • Basisinformationsblatt (KID, vom englischen Key Information Document): ein gesetzlich vorgeschriebenes, standardisiertes Dokument. Für Investmentfonds, die an Privatanleger:innen vertrieben werden, gilt es seit dem 1. Januar 2023; es hat dort die früheren wesentlichen Anlegerinformationen ersetzt (Stand: Juli 2026, Quelle: BaFin, siehe Quellenliste). Es enthält unter anderem eine standardisierte Risiko-Kennzahl, Kosteninformationen und Angaben zur Wertentwicklung.

Beide Dokumente findest du in aller Regel auf der Internetseite der jeweiligen Fondsgesellschaft sowie häufig auch direkt bei deinem Broker, wenn du dort nach dem betreffenden Wertpapier suchst.

Prüfkriterien im Überblick

Prüfkriterien für die ETF-Auswahl im Überblick
KriteriumWo finde ich das?
Zugrunde liegender IndexFactsheet, Name/Bezeichnung des ETFs
TERFactsheet, Basisinformationsblatt (KID)
Tracking-DifferenzFactsheet, teils Internetseite der Fondsgesellschaft
Fondsvolumen und AlterFactsheet
ReplikationsmethodeFactsheet, Basisinformationsblatt (KID)
ErtragsverwendungFactsheet, Name/Bezeichnung des ETFs
FondsdomizilFactsheet, Basisinformationsblatt (KID)
FondswährungFactsheet, Basisinformationsblatt (KID)

Selbstprüfung: die ETF-Auswahl-Checkliste

Die folgende Checkliste fasst alle Kriterien oben zusammen. Sie bewertet keinen bestimmten ETF und spricht keine Empfehlung aus – sie hilft dir nur, systematisch zu prüfen, ob du dir zu einem ETF, den du in Erwägung ziehst, bereits ein vollständiges Bild gemacht hast. Was du ankreuzt, bleibt auf diesem Gerät; ohne deine ausdrückliche Einwilligung speichert diese Website nichts.

Standardmäßig aus. Aktiviere die Speicherung, damit abgehakte Punkte beim nächsten Besuch erhalten bleiben — die Daten verlassen nie dieses Gerät (kein Konto, kein Server, kein Tracking). Du kannst die Speicherung jederzeit wieder ausschalten und deine Daten löschen.

Checkliste: Habe ich diesen ETF vollständig geprüft?

Ob am Ende alle Punkte angehakt sind oder nicht: Es gibt kein bestandenes oder nicht bestandenes Ergebnis – die Checkliste sorgt nur dafür, dass du nichts Wesentliches übersiehst.

Systematische ETF-Auswahl: Chancen und Risiken

Ein Prüfraster statt Bauchgefühl oder Tipps zu nutzen: Chancen und Risiken (grundsätzliche Gegenüberstellung, keine Empfehlung)
ChancenRisiken
Ein einheitliches Prüfraster lässt sich auf jeden ETF anwenden, den du in Erwägung ziehstViele Kriterien gleichzeitig zu prüfen kostet Zeit und kann anfangs überfordern
Du triffst deine Entscheidung auf Basis nachprüfbarer Angaben, unabhängig von fremden EmpfehlungenEin einmal geprüftes Kriterienraster ersetzt keine erneute Prüfung, wenn sich Angaben ändern oder du einen anderen ETF in Erwägung ziehst

Merksatz

Der wichtigste Baustein bei der ETF-Auswahl ist der zugrunde liegende Index. TER und Tracking-Differenz, Fondsvolumen und Alter, Replikationsmethode, Ertragsverwendung, Fondsdomizil und Fondswährung ergänzen das Bild – die meisten dieser Angaben findest du im Factsheet und im Basisinformationsblatt (KID).

Was du jetzt tun kannst

Welche grundsätzlichen ETF-Arten es gibt, ordnet Arten von ETFs ein; wie du zwischen ausschüttenden und thesaurierenden ETFs entscheidest, erklärt Thesaurierend oder ausschüttend?. Wie du einen ausgewählten ETF anschließend automatisiert besparst, zeigt Sparplan: automatisch investieren.

Quellen

Risiko

Geldanlage in Aktien und ETFs ist mit Risiken bis hin zum Verlust des eingesetzten Kapitals verbunden. Diese Website vermittelt allgemeines Wissen — sie bietet keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung und keine Empfehlungen zu konkreten Produkten. Triff Anlageentscheidungen erst, wenn du sie selbst verstanden hast.

Keine Anlageberatung

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und Bildung. Er stellt keine Anlageberatung und keine Anlageempfehlung dar und berücksichtigt nicht deine persönlichen Verhältnisse. Die Entscheidung über eine Geldanlage triffst du eigenverantwortlich; ziehe bei Bedarf eine qualifizierte, zugelassene Beratung hinzu. Die Betreiberin/der Betreiber ist nicht als Finanzberater/in zugelassen.

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Über die Autorin/den Autor

Matthias Lamprecht

Privatanleger mit über 10 Jahren Erfahrung; schreibt aus Einsteiger-Perspektive.

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