Kosten beim Handel: Ordergebühr, Spread, TER

ca. 9 Min. LesezeitZuletzt geprüft: Juli 2026

Teil des Lernpfads: Von null zum ersten Investment

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Ordergebühr, Spread, eine laufende Kostenquote, vielleicht eine Depotgebühr: Beim Investieren in Aktien und ETFs entstehen Kosten an mehreren Stellen gleichzeitig – manche stehen deutlich sichtbar in der Preisliste deines Brokers, andere stecken fast unsichtbar im Kurs selbst. Dieser Artikel zeigt dir systematisch, welche Kosten beim Kauf, während der Haltedauer und beim Verkauf anfallen können, wie sie zusammenhängen – und warum sich ein genauer Blick darauf über viele Jahre spürbar auszahlt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Beim Kauf und Verkauf können Ordergebühr, Handelsplatzentgelt und der Spread (die Spanne zwischen Kauf- und Verkaufskurs) anfallen.
  • Während der Haltedauer fallen laufende Produktkosten (bei Fonds und ETFs die TER) sowie mitunter eine Depotführungsgebühr an – unabhängig von einzelnen Käufen oder Verkäufen.
  • „Kostenlos" beworbene Angebote verschieben Kosten oft nur an eine weniger sichtbare Stelle, etwa in einen breiteren Spread.
  • Schon kleine jährliche Kostenunterschiede wirken sich über Jahrzehnte durch denselben Zinseszinseffekt stark aus, der sonst für Erträge genannt wird – nur in die andere Richtung.
  • Kosten sind neben der Anlageentscheidung selbst der Faktor, den du am unmittelbarsten beeinflussen kannst.

Kosten im Überblick: einmalig, laufend und versteckt

Bevor es an die einzelnen Kostenarten geht, hilft eine grobe Landkarte: Manche Kosten fallen nur einmalig beim Kauf oder Verkauf an, andere laufen unabhängig davon im Hintergrund weiter, und wieder andere sind so gut versteckt, dass sie leicht übersehen werden.

Kosten-Landkarte: einmalig, laufend und situativ
Wann?Kostenart(en)
Einmalig, beim Kauf oder VerkaufOrdergebühr/Provision, Handelsplatzentgelt, Spread
Laufend, unabhängig vom HandelnLaufende Produktkosten (TER), ggf. Depotführungsgebühr
Situativ, bei Werten in FremdwährungWechselkurskosten

Ordergebühr und Handelsplatzentgelt: die Kosten der einzelnen Order

Jede Order – der Auftrag, ein Wertpapier zu kaufen oder zu verkaufen – kann eine Ordergebühr auslösen: das Entgelt, das dein Broker für die Ausführung berechnet. Wie diese Gebühr aufgebaut ist – ein fester Betrag je Order, ein Prozentsatz vom Ordervolumen oder eine Kombination aus beidem –, legt jeder Broker selbst fest; ein Kriterienraster dafür bietet der Artikel Broker auswählen: die Kriterien.

Hinzu kommt häufig ein zweites, davon unabhängiges Entgelt: das Handelsplatzentgelt. Es wird nicht vom Broker, sondern vom gewählten Handelsplatz selbst erhoben – dafür, dass deine Order dort tatsächlich ausgeführt wird. Ob und in welcher Höhe ein Handelsplatzentgelt anfällt, hängt vom jeweiligen Handelsplatz ab; die Unterschiede zwischen Handelsplätzen erklärt der Artikel Handelsplätze verstehen und wählen.

Der Spread: die Kostenart, die leicht übersehen wird

Neben offen ausgewiesenen Gebühren gibt es eine Kostenart, die nirgends als eigene Position auftaucht, weil sie im Kurs selbst steckt: der Spread. An jedem Handelsplatz gibt es zwei Preise gleichzeitig – den Geldkurs, zu dem verkauft werden kann, und den meist etwas höheren Briefkurs, zu dem gekauft werden kann (mehr zur Kursbildung im Grundlagenartikel Börse und Kursbildung). Die Differenz zwischen beiden ist der Spread – eine Kostenart, die unabhängig von jeder Ordergebühr entsteht, allein durch die Kursspanne.

Beispiel (hypothetisch)

Ein ETF-Anteil hat gerade einen Geldkurs von 49,95 € und einen Briefkurs von 50,05 €. Kaufst du jetzt zum Briefkurs und würdest im selben Moment wieder verkaufen, bekämst du nur den Geldkurs von 49,95 € zurück. Der Spread beträgt in diesem Beispiel 0,10 €, also rund 0,2 % des Kurses – ein Betrag, der vollständig unabhängig von einer möglichen Ordergebühr entsteht.

Hypothetisches Rechenbeispiel zur Veranschaulichung. Die verwendeten Werte sind frei angenommen, keine Prognose und keine Anlageempfehlung; sie bilden keine tatsächlichen Konditionen ab. Tatsächliche Ergebnisse können erheblich abweichen; Verluste sind möglich. Kosten, Steuern und Inflation sind nicht oder nur vereinfacht berücksichtigt.

Wie breit ein Spread ausfällt, hängt unter anderem vom gewählten Handelsplatz, von der Handelszeit und davon ab, wie viele andere Marktteilnehmer:innen gerade dasselbe Wertpapier handeln (Liquidität) – mehr dazu im Artikel Handelsplätze verstehen und wählen.

Sparplan-Ausführungsgebühren

Führst du einen Sparplan – den automatischen, regelmäßigen Kauf eines Wertpapiers mit fester Rate –, setzen Broker dafür häufig ein eigenes Gebührenmodell an, das von den Kosten einer einzelnen, selbst ausgelösten Order abweichen kann, nach oben wie nach unten. Wie das im Einzelfall aussieht, ist wieder eine Frage des jeweiligen Angebots und ändert sich im Zeitverlauf; verlässlich sind nur die aktuellen Konditionen des Anbieters, bei dem du sparen möchtest – dieselbe Vorsicht gilt bereits für Sparplan-Mindestraten, wie der Artikel Wie viel Geld brauche ich für den Einstieg? einordnet. Wie du einen Sparplan konkret einrichtest, erklärt der Artikel Sparplan: automatisch investieren.

Laufende Kosten: TER und die Abgrenzung zur Depotgebühr

Neben den Kosten rund um die einzelne Order gibt es laufende Kosten, die unabhängig davon anfallen, ob du gerade handelst. Bei Fonds und ETFs ist das vor allem die TER (Total Expense Ratio, zu Deutsch Gesamtkostenquote): die jährlichen laufenden Kosten des Produkts selbst, ausgedrückt in Prozent des angelegten Vermögens. Wie der Artikel Einzelaktien oder ETFs für Anfänger? bereits einordnet, verursacht ein breit gestreuter ETF auf diese Weise eine laufende, meist niedrige Kostenquote (TER) – sie wird direkt im Fondsvermögen verrechnet und taucht deshalb nicht als gesonderte Abbuchung auf deinem Konto auf.

Getrennt davon zu betrachten ist die Depotführungsgebühr: ein Entgelt, das nicht das Produkt, sondern dein Depot selbst betrifft – erhoben von deinem Broker, unabhängig davon, welche Wertpapiere darin liegen. Ob und in welcher Höhe eine Depotführungsgebühr anfällt, ist ebenfalls eine Frage des einzelnen Angebots; ein Kriterienraster für den Vergleich bietet ebenfalls der Artikel Broker auswählen: die Kriterien. Wie du die TER als eines von mehreren Auswahlkriterien für einen konkreten ETF einordnest, zeigt der Artikel ETF auswählen: die Kriterien.

Wechselkurskosten bei Werten aus dem Ausland

Kaufst du ein Wertpapier, das in einer anderen Währung als Euro notiert – etwa in US-Dollar –, kann eine Währungsumrechnung anfallen, die selbst wieder eine eigene Kostenkomponente enthalten kann, zum Beispiel einen Aufschlag auf den reinen Wechselkurs. Das ist eine reine Kostenfrage und von dem an anderer Stelle behandelten Währungsrisiko zu unterscheiden – dem Risiko, dass sich der Wechselkurs unabhängig vom Wertpapier selbst zu deinen Ungunsten verändert (mehr dazu im Artikel Risiken von Aktien und ETFs).

„Kostenlos" kritisch einordnen

Manche Broker werben mit „kostenloser" oder besonders günstiger Ausführung. Das kann seriöse Gründe haben, etwa ein bewusst schlankes Geschäftsmodell – verdient aber immer einen zweiten Blick: Wenn eine Order nirgends etwas kosten soll, muss ein Anbieter auf andere Weise Erträge erzielen. Eine in der Vergangenheit verbreitete Methode dafür war Payment for Order Flow (PFOF): Der Broker erhielt dabei Zahlungen von einem Handelsplatz oder Market Maker dafür, dass er Kundenorders gerade dorthin weiterleitete – ein Interessenkonflikt, weil dieser Handelsplatz nicht zwingend der für dich günstigste sein musste.

Diese Praxis ist inzwischen untersagt: Ein EU-weites PFOF-Verbot ist am 28. März 2024 in Kraft getreten (Artikel 39a der Verordnung (EU) Nr. 600/2014, MiFIR). Deutschland nutzte dafür zunächst eine Ausnahme, die Artikel 39a den Mitgliedstaaten ausdrücklich einräumte: Für Wertpapierdienstleistungsunternehmen mit Sitz in Deutschland galt das Verbot im Geschäft mit Kunden in Deutschland zunächst nicht – befristet bis zum 30. Juni 2026 (§ 138a Wertpapierhandelsgesetz). Seit dem 1. Juli 2026 gilt das Verbot damit auch dort uneingeschränkt (Stand: Juli 2026, Quellen: BMF, gesetze-im-internet.de, BaFin – siehe Quellenliste).

Auch ohne PFOF bleibt der Grundgedanke richtig: „Kostenlos" bedeutet fast nie, dass tatsächlich keine Kosten entstehen – meist liegen sie dann an einer anderen, weniger auffälligen Stelle, zum Beispiel in einem etwas breiteren Spread. Ein vollständiger Kostenvergleich lohnt sich deshalb immer über alle hier genannten Kostenarten hinweg, nicht nur über die beworbene Ordergebühr.

Warum kleine Kostenunterschiede über Jahrzehnte groß werden

Der Zinseszinseffekt wirkt nicht nur bei Erträgen, sondern genauso bei Kosten – nur in die entgegengesetzte Richtung: Eine kleine jährliche Kostenquote wirkt sich über wenige Jahre kaum spürbar aus, kann sich über Jahrzehnte aber stark aufsummieren.

Hypothetisches Rechenbeispiel: 10.000 € Startkapital, angenommene 6 % Bruttowertentwicklung pro Jahr über 30 Jahre, vereinfacht um eine angenommene jährliche Kostenquote gemindert
Angenommene jährliche KostenNäherungsweise NettowertentwicklungHypothetischer Depotwert nach 30 Jahren
0,2 % pro Jahrrund 5,8 % pro Jahrrund 54.000 €
1,5 % pro Jahrrund 4,5 % pro Jahrrund 37.500 €

Beispiel (hypothetisch)

Die Tabelle vergleicht rein hypothetisch zwei gleich hohe Startkapitale mit identischer angenommener Bruttowertentwicklung – der einzige Unterschied ist die angenommene jährliche Kostenquote, hier vereinfacht direkt von der Wertentwicklung abgezogen. Allein dieser Unterschied von 1,3 Prozentpunkten pro Jahr führt in diesem Rechenbeispiel zu einer Differenz von rund 16.500 € nach 30 Jahren.

Hypothetisches Rechenbeispiel zur Veranschaulichung. Die verwendeten Werte sind frei angenommen, keine Prognose und keine Anlageempfehlung; sie bilden keine tatsächlichen Konditionen ab. Tatsächliche Ergebnisse können erheblich abweichen; Verluste sind möglich. Kosten, Steuern und Inflation sind nicht oder nur vereinfacht berücksichtigt.

Alle Kostenarten im Überblick

Kostenarten beim Aktien- und ETF-Handel im Überblick
KostenartWann sie anfälltKurz erklärt
Ordergebühr/ProvisionBei jedem Kauf/VerkaufEntgelt des Brokers für die Orderausführung
HandelsplatzentgeltBei jedem Kauf/VerkaufEntgelt des jeweiligen Handelsplatzes
SpreadBei jedem Kauf/VerkaufDifferenz zwischen Geld- und Briefkurs
Sparplan-AusführungsgebührBei jeder SparplanrateEigenes Gebührenmodell für automatische Käufe
TER/laufende ProduktkostenLaufend, im Fondsvermögen verrechnetJährliche Kostenquote des Fonds/ETFs selbst
DepotführungsgebührLaufend, unabhängig vom HandelnEntgelt für die Führung des Depots selbst
WechselkurskostenBei Werten in FremdwährungKosten der Währungsumrechnung

Kosten im Blick behalten: Chancen und Risiken

Kostenbewusstsein beim Handel: Chancen und Risiken (grundsätzliche Gegenüberstellung, keine Empfehlung)
ChancenRisiken
Wer alle Kostenarten kennt, kann Angebote realistisch vergleichen und spart über die Jahre spürbar GeldReine Kostenfixierung kann zu ungünstigen Entscheidungen führen – etwa ein Angebot nur wegen der niedrigsten Ordergebühr zu wählen, ohne Regulierung oder Angebotsbreite zu prüfen
Kosten lassen sich, anders als die Marktentwicklung, zumindest teilweise selbst beeinflussenSehr kleine Kostenunterschiede bei sehr kleinen Beträgen wirken sich absolut kaum aus – übertriebene Kostenoptimierung kann unverhältnismäßig viel Zeit kosten

Merksatz

Kosten fallen einmalig (Ordergebühr, Handelsplatzentgelt, Spread) und laufend (TER, ggf. Depotgebühr) an – manche sichtbar, manche versteckt im Kurs. Die Marktentwicklung kannst du nicht kontrollieren, die Kosten deiner eigenen Entscheidungen aber zumindest teilweise schon.

Was du jetzt tun kannst

Wie du einen Broker anhand neutraler Kriterien – auch bei den Kosten – selbst beurteilst, zeigt der Artikel Broker auswählen: die Kriterien. Wie sich unterschiedliche Handelsplätze auf Spread und Entgelte auswirken, vertieft Handelsplätze verstehen und wählen; welche Orderart zu welcher Situation passt, erklärt Orderarten: Market, Limit & Co.. Wie all das im konkreten Kaufablauf zusammenkommt, zeigt Kaufen Schritt für Schritt.

Quellen

Risiko

Geldanlage in Aktien und ETFs ist mit Risiken bis hin zum Verlust des eingesetzten Kapitals verbunden. Diese Website vermittelt allgemeines Wissen — sie bietet keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung und keine Empfehlungen zu konkreten Produkten. Triff Anlageentscheidungen erst, wenn du sie selbst verstanden hast.

Keine Anlageberatung

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und Bildung. Er stellt keine Anlageberatung und keine Anlageempfehlung dar und berücksichtigt nicht deine persönlichen Verhältnisse. Die Entscheidung über eine Geldanlage triffst du eigenverantwortlich; ziehe bei Bedarf eine qualifizierte, zugelassene Beratung hinzu. Die Betreiberin/der Betreiber ist nicht als Finanzberater/in zugelassen.

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Über die Autorin/den Autor

Matthias Lamprecht

Privatanleger mit über 10 Jahren Erfahrung; schreibt aus Einsteiger-Perspektive.

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