Typische Anfängerfehler

ca. 7 Min. LesezeitZuletzt geprüft: Juli 2026

Teil des Lernpfads: Von null zum ersten Investment

Inhalt dieser Seite

Die Risiken von Aktien und ETFs entstehen nicht nur durch den Markt – ein erheblicher Teil entsteht durch eigenes Verhalten. Dieser Artikel sammelt die Fehler, die Einsteiger:innen immer wieder machen: was genau schiefgeht, welche Folgen das hat und was stattdessen hilft. Keiner dieser Punkte ist ein Vorwurf – die meisten Fehler wirken im Moment der Entscheidung plausibel und werden erst im Rückblick als Fehler erkennbar.

Das Wichtigste in Kürze

  • Viele Anfängerfehler entstehen durch Verhalten, nicht durch die Wahl der Anlage: fehlender Notgroschen, Panikverkäufe oder ständiges Kaufen und Verkaufen.
  • Fehlende Streuung – etwa alles auf eine Aktie oder einen Trend zu setzen – erhöht das Risiko unnötig.
  • Häufiges Handeln erhöht Kosten und senkt tendenziell das Ergebnis, unabhängig vom Markt.
  • Steuerliche Kleinigkeiten wie ein vergessener Freistellungsauftrag führen zu vermeidbarem Steuerabzug und zusätzlichem Aufwand.
  • Die meisten dieser Fehler lassen sich mit ein paar festen Regeln und etwas Vorbereitung vermeiden.

Fehler 1: Investieren ohne finanzielles Fundament

Der häufigste Fehler passiert schon vor dem ersten Kauf: Geld zu investieren, das eigentlich als Notgroschen für Notfälle gebraucht wird, oder zu investieren, während gleichzeitig teure Schulden laufen. Die Folge: Muss das investierte Geld ausgerechnet dann wieder verfügbar sein, wenn die Kurse gerade niedrig stehen, wird aus einem Buchverlust ein tatsächlich realisierter Verlust. Das Gegenmittel ist keine Anlagefrage, sondern eine Reihenfolge-Frage: Notgroschen zuerst, teure Schulden vorrangig abbauen, erst danach langfristig anlegen. Eine ausführliche Selbstprüfung dazu bietet der Artikel Bin ich bereit zu investieren?.

Achtung

Ohne Notgroschen zu investieren, gehört zu den folgenreichsten Anfängerfehlern überhaupt: Er zwingt dich im schlechtesten Moment zum Verkauf – genau dann, wenn die Kurse ohnehin schon gefallen sind.

Fehler 2: Alles auf eine Aktie oder einen Trend setzen

Wer das gesamte Anlagegeld in ein einzelnes Unternehmen oder einen gerade angesagten Trend steckt, geht ein unnötig hohes Klumpenrisiko ein: Entwickelt sich ausgerechnet dieses eine Unternehmen oder Thema schlecht, trifft es das gesamte Depot ungebremst. Das Gegenmittel heißt Diversifikation – Streuung über viele Unternehmen, Branchen und Regionen. Wie das konkret funktioniert und wo Diversifikation an ihre Grenzen stößt, erklärt der Artikel Diversifikation: nicht alles auf eine Karte.

Fehler 3: Order und Produkt ohne genaues Hinsehen wählen

Zwei praktische Fehler häufen sich beim Kaufen selbst. Erstens: eine Market-Order – ein Auftrag zur sofortigen Ausführung zum nächsten verfügbaren Kurs – bei einem selten gehandelten, wenig liquiden Wertpapier aufzugeben. Ohne eine selbst gesetzte Preisgrenze kann die Order dann zu einem überraschend ungünstigen Kurs ausgeführt werden; wie du dir mit einer Limit-Order stattdessen eine eigene Preisgrenze setzt, erklärt der Artikel Orderarten: Market, Limit & Co.. Zweitens: zu komplexe, gehebelte Produkte wie Hebelzertifikate oder Differenzkontrakte (CFDs) zu kaufen, ohne deren Funktionsweise und Risiko wirklich zu verstehen. Solche Produkte können schon bei kleinen Kursbewegungen überproportional große Verluste auslösen. Eine Untersuchung der europäischen Wertpapieraufsicht ESMA auf Basis von Daten nationaler Aufsichtsbehörden ergab, dass in den ausgewerteten Ländern 74 bis 89 % der Kleinanlegerkonten beim Handel mit gehebelten CFDs Verluste machten (Stand: 2018, Quelle: ESMA); seit 2019 gelten für den deutschen Markt entsprechende dauerhafte Beschränkungen über eine Allgemeinverfügung der BaFin (Stand: 2019, Quelle: BaFin). Mehr zur Abgrenzung solcher Produkte vom langfristigen Investieren ordnet der Grundlagenartikel Investieren, Trading und Spekulation ein.

Achtung

Gehebelte Produkte wie CFDs oder Hebelzertifikate sind keine Einsteiger-Instrumente: Die Hebelwirkung kann Verluste gegenüber dem eingesetzten Betrag erheblich verstärken. Wer ein Produkt nicht vollständig versteht, sollte es nicht kaufen – unabhängig davon, wie es beworben wird.

Fehler 4: Tipps statt eigenem Verständnis

Eine Kaufidee aus einem Social-Media-Video, einem Forum oder von Bekannten zu übernehmen, ersetzt keine eigene Prüfung. Wer nicht selbst nachvollziehen kann, warum ein bestimmtes Unternehmen oder ein bestimmter ETF zur eigenen Strategie passt, hat im Zweifel auch keine Grundlage, um bei fallenden Kursen ruhig zu bleiben oder eine eigene Entscheidung zu treffen. Ein späterer Artikel im Bereich Aktien analysieren dieser Website zeigt, wie du systematisch statt tippgetrieben vorgehst. Als Faustregel gilt: Jede Position im Depot solltest du in eigenen Worten begründen können – reicht die Begründung nicht über „das hat mir jemand empfohlen" hinaus, fehlt eine tragfähige Grundlage.

Fehler 5: Zu häufig handeln und den Zeitpunkt timen wollen

Ständiges Kaufen und Verkaufen fühlt sich aktiv und kontrollierend an – kostet aber bei jeder Order erneut Gebühren und Spread, die sich über viele Transaktionen spürbar summieren (mehr dazu rechnet der Artikel Kosten beim Handel: Ordergebühr, Spread, TER vor). Eng verwandt ist der Versuch, den perfekten Ein- oder Ausstiegszeitpunkt zu treffen: Wer glaubt, kurzfristige Marktbewegungen zuverlässig vorhersagen zu können, überschätzt sich in aller Regel selbst – das gilt für Privatanlegerinnen und -anleger ebenso wie für viele professionelle Marktteilnehmer:innen. Warum „Zeit im Markt" üblicherweise verlässlicher ist als der Versuch, den Markt zu timen, vertieft ein späterer Artikel im Strategie-Bereich dieser Website.

Fehler 6: Im Kursrückgang aus Panik verkaufen

Fallen die Kurse deutlich, entsteht zunächst nur ein Buchverlust: ein Verlust auf dem Papier, der sich wieder ausgleichen kann, solange du nicht verkaufst. Wer in dieser Phase aus Angst verkauft, macht daraus einen realisierten, endgültigen Verlust – und ist beim späteren Wiedereinstieg oft zu spät dran, weil sich Erholungsphasen selten verlässlich ankündigen. Wie du dich mental auf solche Phasen vorbereitest, bevor sie eintreten, vertieft ein späterer Artikel im Strategie-Bereich dieser Website; welche Risiken grundsätzlich hinter solchen Kursrückgängen stehen, fasst der Artikel Risiken von Aktien und ETFs zusammen.

Fehler 7: Steuerliche Kleinigkeiten übersehen

Auch nach dem Kauf schleichen sich Fehler ein, die kein großes Anlagewissen erfordern, aber schlicht übersehen werden – zum Beispiel, keinen Freistellungsauftrag einzurichten. Dann wird auf Kapitalerträge in der Regel Steuer einbehalten, obwohl bis zur Höhe des gesetzlichen Sparer-Pauschbetrags keine anfallen müsste; zurückholen lässt sich das später nur mit zusätzlichem Aufwand. Einzelheiten dazu – inklusive der aktuellen Beträge mit Stand und amtlicher Quelle – erklärt ein späterer Artikel im Steuern-Bereich dieser Website.

Keine Steuerberatung

Dieser Beitrag erklärt die allgemeine steuerliche Funktionsweise und ist keine Steuerberatung. Die genannten Angaben sind zeitgebunden (siehe „Stand“-Vermerk); maßgeblich sind stets das Gesetz und die offiziellen Verlautbarungen (u. a. BMF, BZSt). Für deinen Einzelfall wende dich an eine Steuerberaterin oder einen Steuerberater.

Alle Fehler im Überblick

Anfängerfehler im Überblick: Fehler, Folge und Gegenmittel
FehlerTypische FolgeGegenmittel
Ohne Notgroschen investierenVerkauf zum ungünstigen Zeitpunkt im NotfallNotgroschen zuerst aufbauen
Alles auf eine Aktie/einen TrendUnnötig hohes KlumpenrisikoDiversifikation
Market-Order bei illiquiden WertenAusführung zu ungünstigem KursLimit-Order mit eigener Preisgrenze
Zu komplexe, gehebelte ProdukteÜberproportionale VerlusteNur Produkte kaufen, die vollständig verstanden sind
Tipps statt eigenem VerständnisKeine Grundlage für ruhige EntscheidungenJede Position selbst begründen können
Zu häufiges HandelnSteigende Kosten, sinkendes ErgebnisSeltener handeln, Strategie statt Reaktion
Versuch, den Markt zu timenVerpasste ErholungsphasenLangfristig investiert bleiben
Panikverkauf im KursrückgangAus Buchverlust wird realisierter VerlustKrisenplan vor der Krise, nicht währenddessen
Freistellungsauftrag vergessenSteuerabzug trotz Sparer-PauschbetragFreistellungsauftrag direkt bei Depoteröffnung einrichten

Merksatz

Die meisten Anfängerfehler haben weniger mit der Wahl der Anlage zu tun als mit dem eigenen Verhalten: fehlende Vorbereitung, fehlende Streuung, zu häufiges Handeln oder Panik im Kursrückgang. Feste Regeln, die du dir vorab setzt, sind das wirksamste Gegenmittel.

Was du jetzt tun kannst

Wie du systematisch prüfst, ob du überhaupt startklar bist, zeigt der Artikel Bin ich bereit zu investieren?. Welche Risiken grundsätzlich hinter jeder Investition in Aktien und ETFs stehen, fasst Risiken von Aktien und ETFs zusammen. Und wie du dein Geld von Anfang an sinnvoll streust, statt alles auf eine Karte zu setzen, erklärt Diversifikation: nicht alles auf eine Karte.

Quellen

Risiko

Geldanlage in Aktien und ETFs ist mit Risiken bis hin zum Verlust des eingesetzten Kapitals verbunden. Diese Website vermittelt allgemeines Wissen — sie bietet keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung und keine Empfehlungen zu konkreten Produkten. Triff Anlageentscheidungen erst, wenn du sie selbst verstanden hast.

Keine Anlageberatung

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und Bildung. Er stellt keine Anlageberatung und keine Anlageempfehlung dar und berücksichtigt nicht deine persönlichen Verhältnisse. Die Entscheidung über eine Geldanlage triffst du eigenverantwortlich; ziehe bei Bedarf eine qualifizierte, zugelassene Beratung hinzu. Die Betreiberin/der Betreiber ist nicht als Finanzberater/in zugelassen.

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Über die Autorin/den Autor

Matthias Lamprecht

Privatanleger mit über 10 Jahren Erfahrung; schreibt aus Einsteiger-Perspektive.

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