Einzelaktien oder ETFs für Anfänger?
Teil des Lernpfads: Von null zum ersten Investment
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Aktie oder ETF – für viele Einsteiger:innen ist das die erste konkrete Strategiefrage, sobald die Grundbegriffe sitzen. Dieser Artikel vergleicht Aufwand, nötiges Wissen, Risiko und Kosten beider Wege und ordnet ein verbreitetes Kombinationsmodell ein – als Entscheidungshilfe, nicht als vorgegebene Antwort. Was Aktie und ETF grundsätzlich unterscheidet, setzt der Artikel Aktie oder ETF: die Unterschiede bereits voraus.
Zwei Wege zum selben Ziel
Sowohl Einzelaktien als auch ETFs lassen dich am wirtschaftlichen Erfolg von Unternehmen teilhaben (mehr zur Grundidee im Artikel Warum Aktien und ETFs?). Der Unterschied liegt darin, wie konzentriert oder gestreut dieses Engagement ausfällt: Eine Aktie beteiligt dich an genau einem Unternehmen, ein ETF an sehr vielen gleichzeitig.
Aufwand und nötiges Wissen: ehrlich eingeschätzt
Wer Einzelaktien auswählt und hält, übernimmt damit auch die laufende Beobachtung: Geschäftsmodell verstehen, Geschäftsberichte und Kennzahlen verfolgen, Nachrichtenlage einschätzen – und das für jedes einzelne gehaltene Unternehmen erneut. Wie das im Detail geht, vertiefen spätere Artikel im Bereich Aktien analysieren dieser Website. Ein breit gestreuter ETF nimmt dir diese laufende Einzelauswahl ab: Die Entscheidung für einen Index triffst du im Kern einmal, danach bildet der ETF dessen Zusammensetzung automatisch nach. Das ist keine Wertung, welcher Weg „besser" ist – aber ein wichtiger, oft unterschätzter Unterschied im laufenden Zeitaufwand.
Risiko: Klumpenrisiko gegen breite Streuung
Bei einer einzelnen Aktie trägst du das volle unternehmensspezifische Risiko ungebremst – bis hin zum Totalverlust, wenn ausgerechnet dieses eine Unternehmen scheitert. Ein breit gestreuter ETF verteilt dieses Risiko auf sehr viele Unternehmen; das verbleibende Marktrisiko besteht in beiden Fällen weiter. Eine vollständige Übersicht aller Risikoarten bietet der Artikel Risiken von Aktien und ETFs; wie Streuung als Gegenmittel konkret funktioniert, erklärt Diversifikation: nicht alles auf eine Karte.
Kosten im Vergleich
Ein ETF verursacht eine laufende, meist niedrige Kostenquote (TER), aber keine Kosten für eine eigene Einzelauswahl. Baust du dagegen selbst ein Depot aus mehreren Einzelaktien auf, um eine vergleichbare Streuung zu erreichen, brauchst du dafür entsprechend viele einzelne Orders – und jede Order kann eine eigene Gebühr auslösen. Wie sich Ordergebühren, Spread und laufende Kosten konkret zusammensetzen, rechnet der Artikel Kosten beim Handel: Ordergebühr, Spread, TER vor.
| Kriterium | Einzelaktien | ETFs |
|---|---|---|
| Laufender Zeitaufwand | Hoch – je gehaltenem Unternehmen | Gering – Index bildet Zusammensetzung automatisch nach |
| Nötiges Wissen | Einzelunternehmen einschätzen können | Indexlogik und Auswahlkriterien verstehen |
| Unternehmensspezifisches Risiko | Trägst du voll allein | Auf viele Unternehmen verteilt |
| Marktrisiko | Besteht | Besteht ebenfalls |
| Streuung von Haus aus | Nein – musst du selbst herstellen | Ja, oft schon mit einem einzigen breiten ETF |
| Laufende Produktkosten | Keine, aber ggf. mehr einzelne Ordergebühren | Laufende Kostenquote (TER), meist niedrig |
Kombinationsmodelle: ETF als Kern, Einzelaktien als Beimischung
In der Praxis wird häufig ein drittes Modell diskutiert: ein breit gestreuter ETF als „Kern" des Depots, ergänzt um einen kleineren Anteil selbst ausgewählter Einzelaktien. Dieses Modell – manchmal als Kern-Satelliten-Ansatz bezeichnet – ist ein verbreitetes Denkmodell, keine Empfehlung dieser Website: Es verringert das Klumpenrisiko gegenüber einem reinen Einzelaktien-Depot, weil der überwiegende Teil breit gestreut bleibt, erhöht aber gegenüber einem reinen ETF-Depot wieder den laufenden Beobachtungsaufwand für den Einzelaktien-Anteil. Ob und wie groß ein solcher Anteil für dich überhaupt sinnvoll erscheint, hängt unter anderem von deiner Risikotoleranz ab – dazu mehr im Artikel Risikotoleranz: Welcher Anlegertyp bin ich?.
Wann Einzelaktien nachvollziehbar erscheinen
Manche Anlegerinnen und Anleger entscheiden sich bewusst für einen kleinen Einzelaktien-Anteil, um anhand von echtem, eigenem Geld mehr über Unternehmensanalyse zu lernen – mit einem Betrag, dessen möglichen Verlust sie bewusst in Kauf nehmen (umgangssprachlich manchmal „Lerngeld" genannt). Das ist eine mögliche Perspektive, keine Empfehlung: Sie setzt voraus, dass der Rest der finanziellen Basis – Notgroschen, breit gestreute Anlage – bereits steht und der eingesetzte Betrag verkraftbar wäre, wenn ausgerechnet er verloren ginge.
Merksatz
Ein breit gestreuter ETF senkt den laufenden Aufwand und das unternehmensspezifische Risiko gegenüber Einzelaktien – dafür übernimmst du bei Einzelaktien selbst die volle Kontrolle über die Auswahl, mit entsprechend höherem Aufwand und Risiko. Kombinationsmodelle sind ein verbreitetes Denkmodell, keine Empfehlung.
Was du jetzt tun kannst
Wie du dein Geld unabhängig von dieser Entscheidung sinnvoll streust, erklärt Diversifikation: nicht alles auf eine Karte. Welche Risiken grundsätzlich bestehen, fasst Risiken von Aktien und ETFs zusammen.
Risiko
Geldanlage in Aktien und ETFs ist mit Risiken bis hin zum Verlust des eingesetzten Kapitals verbunden. Diese Website vermittelt allgemeines Wissen — sie bietet keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung und keine Empfehlungen zu konkreten Produkten. Triff Anlageentscheidungen erst, wenn du sie selbst verstanden hast.
Keine Anlageberatung
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und Bildung. Er stellt keine Anlageberatung und keine Anlageempfehlung dar und berücksichtigt nicht deine persönlichen Verhältnisse. Die Entscheidung über eine Geldanlage triffst du eigenverantwortlich; ziehe bei Bedarf eine qualifizierte, zugelassene Beratung hinzu. Die Betreiberin/der Betreiber ist nicht als Finanzberater/in zugelassen.
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Über die Autorin/den Autor
Matthias Lamprecht
Privatanleger mit über 10 Jahren Erfahrung; schreibt aus Einsteiger-Perspektive.